Friedensdienst mit Feder und PC
50 Jahre „Die Brücke“ in der Paul-Schneider-Gemeinde
Mit einem festlichen Gottesdienst in der Matthiaskirche feierte die Paul-Schneider-Gemeinde das mehr als 50-jährige Erscheinen ihrer Gemeindezeitung „Die Brücke“. Die Vizepräses der rheinischen Kirche, Antje Menn, würdigte das Jubiläum, und ein imposanter Posaunenchor mit Bläsern aus der gesamten Region umrahmte die Feier. Als Gast nahm auch Superintendentin Astrid Peekhaus am Gottesdienst teil.

„Wir sind dankbar für die große Freiheit in diesem Land und dieser Gemeinde, dass wir schreiben können, was uns bewegt.“ Pfarrerin Ulrike Scholtheis-Wenzel griff in ihrer Predigt das Thema Rede- und Pressefreiheit auf. Sie ließ die oft strittigen Themen Revue passieren, die während mehr als 50 Jahren Ausdruck in Artikeln der „Brücke“ fanden. So schlug etwa die NATO-Nachrüstungsdebatte in der Bundeswehr-Standortgemeinde hohe Wellen und nach dem Erscheinen des Buches „Nachbarn und Opfer“ von Francis Henry habe sich mancher schwer getan mit den Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus.
Als junge Vikarin, so berichtete sie, habe sie ihr erstes geistliches Wort für die Gemeindezeitung im Jahr 1986 drei Mal schreiben müssen, ehe es Gnade vor den gestrengen Augen der Redaktion gefunden habe. Heute präsentiere sich die „Brücke“ weniger divers und streitbar als am Anfang. „Gräben sichtbar machen, ansprechen und überwinden und Unterschiede tapfer aushalten ist aber immer noch ihr Anspruch“, hob die Pfarrerin hervor und dankte dem „Brücke“-Team für seinen „Friedensdienst mit Feder und PC“.

Große Wertschätzung für das Team der Redaktion und für die ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden Austräger der „Brücke“ drückte sich im Grußwort von Vizepräses Antje Menn aus, die im Namen der Landeskirche für dessen Arbeit dankte. „Komm und sieh!“ – von diesem Jesus-Wort aus dem Johannes-Evangelium schlug sie einen Bogen zum Anliegen von Gemeindebriefen, nach ihren Worten „eine der besten Erfindungen“. Nicht zufällig trage er hier seinen Namen, „weil er Brücken baut in die Häuser Ihrer Gemeinde, weil er auf seine Weise eine Nahe-Brücke ist auf die Küchentische und Sofas, wo er geblättert und gelesen wird“.
Die Untersuchungen zur Mitgliedschaft der evangelischen Kirche zeigten, wie wichtig es sei, leicht zugängliche Kontaktflächen zu bieten und sichtbar zu machen, was Kirche leiste und wofür sie stehe. Eine Gemeindezeitung berichte von kirchlichen Veränderungsprozessen und gebe Raum für die Erörterung von gesellschaftlichen Fragen und öffentlicher Theologie, aber auch, wie mit dem Thema Aufarbeitung sexualisierter Gewalt umgegangen werde. Antje Menn resümierte: „‘Komm und sieh!‘ – fünf Mal im Jahr lädt Ihr Gemeindebrief dazu ein.“

Beim Empfang im Paul-Schneider-Gemeindezentrum bot sich die Gelegenheit, Einblick in alte und neue Ausgaben der „Brücke“, mit der Hand oder Schreibmaschine verfasst, sowie das mehrseitige Redaktionsstatut zu nehmen.
Marion Unger
