Jahrestagung Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft

Paul Schneider jungen Leuten nähergebracht

Konfis finden ihre eigene Sprache

Das geistige Erbe Paul Schneiders und dessen Vermittlung an Jugendliche bildete einen thematischen Schwerpunkt der Jahrestagung der Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft in unserer Gemeinde.

Ein Pfarrer, der mit seinem konsequenten Eintreten für das Evangelium in Konflikt zu den Nationalsozialisten geriet und von ihnen 1939 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde – wie kann man sein Glaubenszeugnis jungen Leuten heute vermitteln? Schließlich sind die Ereignisse in seiner Gemeinde Dickenschied auf dem Hunsrück und während seiner Haft im KZ fast 90 Jahre her. Diese Frage spielt ein zentrale Rolle in der Jugendarbeit der Paul-Schneider-Gemeinde.

So bot ein Gespräch von Konfirmandinnen und Konfirmanden mit Karl Adolf Schneider, dem Sohn Paul Schneiders, willkommenen Anlass, sich der historischen Gestalt zu nähern. Die Jugendlichen hatten eine Menge Fragen parat. Etwa: Wie war Paul Schneider als Vater? Darauf konnte dessen Sohn nur mit Erzählungen seiner Mutter antworten. Er selbst war 1939 erst vier Jahre alt.

Das Leben der Familie nach dem Tod des Vaters während der NS-Zeit und nach dem Krieg, interessierte die jungen Leute besonders. „Meine Mutter war allein mit uns sechs Kindern, aber sie hat unser Überleben gut gemanagt“, antwortete Schneider. Sein Vater sei oft als strenger, moralisch strikter Pfarrer geschildert worden, erklärte er. Die Familie habe ihn jedoch als fröhlichen und sportlichen Menschen dargestellt. Auf die Frage, wie es sich anfühle, der Sohn Paul Schneiders zu sein, bemerkte der 90-Jährige trocken: „Inzwischen kann ich damit umgehen.“ Die Frage, wie man dem Vorbild Paul Schneiders gerecht werden könne, gab er den jungen Leuten mit auf den Weg: „Aufrecht zu dem stehen, was man als richtig erkannt hat und sich nicht immer nur durchschlängeln und den kleinen persönlichen Vorteil suchen.“

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden fanden ihre eigene Sprache, um ihr Verhältnis zu Paul Schneider zu definieren. Im festlichen Gottesdienst zum Abschluss der Tagung beschrieben sie in einem Konfi-Chorus und in einem selbst verfassten Rap dessen Eintreten für Glauben, Liebe und Wahrheit sowie seinen konsequenten Widerstand gegen die Verbrechen des Nazi-Regimes.

„Die Sorge um Kinder und Jugendliche brachte Paul Schneider ins Gefängnis und schließlich den Tod“, erklärte Pfarrerin Ulrike Scholtheis-Wenzel in ihrer Predigt. Sie schilderte den Konflikt des Vaters, der seine ältesten drei Kinder vor dem Einfluss ihres nazitreuen Lehrers schützen wollte und die Eltern sogar zum Schulstreik aufrief, sollte die geplante nationalsozialistische Einheitsschule eingeführt werden. Sie schlug einen Bogen von der Geschichte Jakobs und seinem Traum von der Himmelsleiter aus dem Alten Testament zur Haltung Paul Schneiders und betonte: „Seinen eigenen Weg zu finden ist das Wichtigste im Leben.“

Marion Unger

  • 20.10.2025
  • Marion Unger
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