Männersonntag 2026

  • 15.10.2026

Kritischer Blick auf männliches Selbstverständnis

Gottesdienst zum Männer-Sonntag

Einmal im Jahr deklariert die Evangelische Kirche in Deutschland einen Sonntag im Oktober als „Männer-Sonntag“. Diesen Anlass nutzte der Männerkreis der Paul-Schneider-Gemeinde zur Gestaltung eines außergewöhnlichen Gottesdienstes in der Matthiaskirche.

Oft treten sie in der Kirchengemeinde nicht in Erscheinung, noch viel weniger sprechen sie über ihre Gefühle und Probleme oder gar ihre Ängste, die in sie gesetzten Erwartungen nicht zu erfüllen: Männer. „Harte Schale, cooler Blick. Wir tun so, als wäre alles bestens“, so formulierte es ein Mitglied des Männerkreises im Anspiel zum Gottesdienst. Im Mittelpunkt stand das Anliegen, sich in die Herzen blicken zu lassen, Masken fallenzulassen und den Anspruch, alles leisten zu können, kritisch zu hinterfragen. Dabei sparten die Akteure nicht mit Selbstkritik, wenn es darum ging, auch Überforderung zuzugeben und Angst vor dem Scheitern einzuräumen.

Stefan Hartmann gelang es in seiner Predigt, einen fast 2 000 Jahre alten Bibeltext aus dem Paulus-Brief an die Gemeinde in Ephesus in die Gegenwart zu holen. „Wir hören diesen Text in einer Welt, die aus der Balance geraten zu sein scheint, durch immer höher, weiter, schneller, reicher – manche würden sagen männlichen Erfolgswahn“ erklärte er. Vor diesem Hintergrund warf Hartmann die Frage auf, ob sich die Menschheit in ihrem unbedingten Glauben an Wachstum und Optimierung selbst zugrunde richte. Als Beispiel diente ihm der ungehemmte Verbrauch von Ressourcen. „Wir haben doch nur eine Erde und diese eine sollten wir eigentlich schützen“, betonte er.

Herbert Grönemeyers Song „Männer“, der das Thema ironisch-humorvoll auf den Punkt bringt, zog sich wie ein roter Faden durch die Liturgie. Eine À-Capella-Interpretation mündete in einen musikalischen Clou, den der junge Organist Finn Ricken am Schluss landete. Auf der altehrwürdigen Johann-Michael-Stumm-Orgel intonierte er zur Freude der Gottesdienstbesucher eigene Variationen des Songs.

Marion Unger

Dem Männerkreis gelang im Gottesdienst ein humorvoll-kritischer Blick auf männliches Selbstverständnis. Von links: Roland Ruegenberg, Gerhard Pfeiffer, Reinhard Sander, Stefan Hartmann, Reza Amin, Christian Mann, Andreas Jacob und Sascha Müller.

  • Marion Unger
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