Bad Sobernheim.
Dr. Volker Wissing, ehemaliger FDP-Politiker und Minister in Rheinland-Pfalz und im Bund, stellte im Paul-Schneider-Gemeindezentrum sein Buch „Verantwortung“ vor. 83 Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter zahlreiche Kommunalpolitiker aus der Region, folgten der Einladung von Denis Alt (SPD), dem Vorsitzenden des Forums Politische Bildung Nahe-Hunsrück, um mit Wissing ins Gespräch zu kommen.
„Die Demokratie ist das Beste, was uns passieren konnte.“ Mit dieser Feststellung begann Volker Wissing seine Lesung. Aber der Abend bot mehr als Einsicht in sein Buch. Wissing vermittelte, oft in sehr persönlicher Weise, Eindrücke in die Grundsätze seines auf christlichen Werten basierenden politischen Handelns und beschrieb seine Rolle als Minister in Rheinland-Pfalz und im Bund. Dabei wurde etwas von den Gründen deutlich, warum die Ampel aus SPD, FDP und Bündnis 90/Grüne in Rheinland-Pfalz jahrelang weitgehend geräuschlos regierte, im Bund jedoch spektakulär scheiterte.
Der 55-jährige Jurist, der heute wieder als Anwalt in seiner Kanzlei in Landau arbeitet, beschrieb seinen Ausflug in die Politik als „eher zufällig“. 2004 rückte er nach dem tödlichen Unfall von Marita Sehn in den Bundestag nach. Damit war der Beginn seiner Laufbahn nach seinen Worten mit einer „familiären Katastrophe“ verbunden. Ähnlich aufsehenerregend war auch deren Ende. Anders als der von Bundeskanzler Scholz entlassene Christian Lindner, dem seine Parteikollegen freiwillig folgten, blieb Wissing bis zur Neuwahl des Bundestags im Kabinett und trat 2024 aus der FDP aus. Er ging mit seiner ehemaligen Partei hart ins Gericht und kritisierte, sie sei nicht an Kompromissen interessiert, sondern auf Spaltung aus.
Kernthema seines Buches ist das Zusammenspiel von Freiheit des Einzelnen und seiner Verantwortung für das Gemeinwesen. Nur wenn man bereit sei, konträre Meinungen zu respektieren und Brücken zu bauen, könne eine Gemeinschaft funktionieren. Wissing beklagte mangelndes Vertrauen in der Politik und kritisierte, dass Kräfte von rechts Menschen in Gruppen einteilen und ihnen die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde absprechen.
„Wenn Sie in die Politik gehen wollen, machen Sie sich auf etwas gefasst“, wandte er sich an die Zuhörerinnen und Zuhörer. „Politik ist Dienstleistung für den Staat, kein Laufsteg“, betonte Wissing. Die Mischung aus sehr persönlichen Eindrücken und klarer politischer Haltung nötigte den Zuhörerinnen und Zuhörern spürbar Respekt ab.
In der anschließenden lebhaften Diskussion, die noch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung in Einzelgesprächen anhielt, war der Umgang mit der AFD beherrschendes Thema. Wissing beantwortete zudem Fragen zur Diskussion um einen möglichen Wiedereinstieg in die Atomenergie oder zum Umgang mit sozialen Medien. Es gebe keine einfachen Themen in einer komplexen Gesellschaft, betonte er. Seine eindringliche Mahnung: „Die Demokratie wird von innen und außen angegriffen, wir müssen sie besser schützen.“
