Selbsthilfegruppe für geflüchtete Frauen

Wege aus dem Trauma finden

Selbsthilfegruppe für geflüchtete Frauen

„Frauen helfen Frauen“ – unter diesem Motto entsteht eine Selbsthilfegruppe des Interkulturellen Netzwerks der Paul-Schneider-Gemeinde. Michael Demmig, und Monera Ahmed wollen zugewanderte Frauen für einen Gesprächskreis gewinnen.

„Das Leben für Frauen im Sudan ist nicht gut.“ Monera Ahmed weiß, wovon sie spricht. Sie stammt aus Darfur im Süd-Sudan und hat dort für eine Hilfsorganisation gearbeitet. Insbesondere auf dem Land herrschen harte Bedingungen. „Es ist ständig Krieg, es gibt kaum Schulen, kein Internet, kein Licht“ berichtet sie. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Mädchen sind von Bildung meist ausgeschlossen und werden im Alter von zwölf bis 14 Jahren verheiratet. Dann sind sie eine von oft mehreren Ehefrauen in einem zutiefst patriarchalischen System.

„Hier sind viele Frauen angekommen, die diese Erfahrungen mitbringen“, beschreibt Michael Demmig, Koordinator des Netzwerks, die Situation der oft traumatisierten Geflüchteten aus dem Sudan. „Sie kommen in dieses freie Land, sind aber innerlich noch gefangen in ihren Traditionen und den Erfahrungen von Gewalt.“ Hinzu kommt die Tradition der Beschneidung weiblicher Geschlechtsteile. „Das ist ein großes Problem“, erklärt Monera Ahmed. Viele Frauen, die aus dem Sudan nach Deutschland kommen, leiden unter den Folgen von Genitalverstümmelung. Das ist ein Grund dafür, ihnen Asyl zu gewähren.

Monera Ahmed stammt aus einer Familie, die ihr und ihrer Schwester Schule und Studium ermöglicht hat. Sie wurde Lehrerin, leitete eine Tagesstätte mit 150 Kindern und engagierte sich in der Beratung und Vernetzung von Frauen auf dem Land. Die 43-Jährige ist geschieden und hat zwei Töchter im Alter von 14 und 15 Jahren. Sie kam über Ägypten und Italien nach Deutschland. Ein Jahr und acht Monate dauerte ihre Flucht aus dem Sudan. Ihr Asylverfahren läuft und sie lernt eifrig Deutsch. Nun möchte sie Frauen bei der Integration helfen. Dafür bringt sie nicht nur Erfahrung aus ihrer früheren Arbeit mit, sie spricht auch Arabisch und Englisch und hat Kenntnis von zahlreichen lokalen Stammessprachen und Dialekten. Sie findet schnell Zugang zu den Frauen, möchte sie dazu ermuntern, ihre Geschichten zu erzählen, Sorgen und Nöte miteinander zu teilen. Dann können auch Themen wie Gesundheit, Hygiene, Familienplanung, Spracherwerb oder Arbeitssuche zur Sprache kommen.

„Die Frauen sind nur zu Hause und kümmern sich um die Kinder. Sie müssen unbedingt die Sprache lernen und Arbeit finden“, betont Monera Ahmed. Dafür gilt es zunächst, die Schüchternheit der Frauen zu überwinden und auch deren Ehemänner oder männliche Verwandte zu überzeugen. Diese bringen ihre patriarchalischen Traditionen mit hierher und dominieren das Verhalten der Frauen.

Aber der Anfang ist gemacht: Eine Gruppe von Frauen verschiedener Nationalitäten hat sich bereits zu einem gemeinsamen Essen getroffen. Ziel ist ein wöchentliches Beisammensein. Monera Ahmed will mit praktischer Arbeit beginnen, etwa mit Nähen oder Sticken. Informationsveranstaltungen zu Medizin, Ernährung oder Familienplanung könnten folgen. „Es ist noch ein sehr zartes Pflänzchen“, lautet Michael Demmigs vorläufiges Resümee. „Aber es kann wachsen.“

Info: Das Ehrenamtsnetzwerk der Paul-Schneider-Gemeinde

Das Interkulturelle Netzwerk in der Paul-Schneider-Gemeinde unterstützt Geflüchtete bei der Integration. Koordinator Michael Demmig führt Hilfe Suchende sowie hilfsbereite Bürgerinnen und Bürger zusammen. Inzwischen betreut er rund 50 Familien in der Region. Finanziert wird die Initiative in der Hauptsache durch Landkreis und Verbandsgemeinde, aber auch mit Eigenmitteln der Gemeinde sowie der Bürkle-Stiftung.

Wer mitmachen möchte, kann sich Dienstag und Donnerstag vormittags bei Michael Demmig im Gemeindezentrum melden, oder im Gemeindebüro, Telefon: 06751-94290. E-Mail: integrationbadsobernheim@gmail.com

Spenden sind willkommen auf das Konto der Ev. Paul-Schneider-Gemeinde, Bank für Kirche und Diakonie, IBAN: DE30 3506 0190 6333 2800 09, Stichwort: Diakonie Geflüchtete.

Marion Unger